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Wald

Wie Sie vielleicht schon bemerkt haben, beträgt der Waldanteil der Gemarkung Buchheim weniger als 1% (ca. 4 ha). Die geringe Fläche summiert sich im Wesentlichen aus verschiedenen größeren und kleineren Feldholzinseln. Landschaftsästhetisch bieten diese eine imposante Abwechslung zu den meist langweiligen und überdimensionierten Agrarflächen. Aus ökologischer Sicht sind diese „Waldinseln“ in ihrer Funktion eingeschränkt, da sie nicht durch Hecken bzw. Weg begleitenden Bewuchs miteinander verbunden sind. Es kommt hinzu, dass die Gemarkung durch die Staatsstraße und die Bahnlinie geteilt ist.

Auch wenn nach dem ersten Eindruck eine vermutete Attraktivität Buchheims in puncto Wald (das Dorf von Buchenwald umgeben!) nicht gegeben zu sein scheint, kann sich Buchheim glücklich schätzen, unmittelbar an den „Colditzer Forst“ zu grenzen. Eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Sachsens bietet, quasi vor der Haustüre Buchheims, Natur bzw. Naherholung vom Feinsten. Diesen Eindruck können auch die gelegentlich abgehaltenen und in ihrer Bedeutung abnehmenden Staatsjagden nicht schmälern.


Der Colditzer Forst

  • erstreckt sich in Ost- Westrichtung zwischen Colditz und Bad Lausick.
  • wird von den Dörfern Hohnbach, Leupahn, Thierbaum, Ebersbach, Buchheim, Ballendorf, Glasten und Schönbach begrenzt.
  • ist im nördlichen Teil (Glastener Forst) topographisch gesehen Flachland, im Hauptteil ist er leicht wellig und hat auch einige steilere Geländeformationen.
  • weist im Mittel der vergangenen 10 Jahre Niederschläge von 732 Litern pro Quadratmeter auf.
  • wird durchzogen von zahlreichen kleinen Waldbächen.
  • ist geometrisch nicht genau abgegrenzt und so gibt es Waldbuchten mit den eingelagerten Dörfern, wodurch man von den Waldrändern Ausblick auf schöne Landschaften des Muldentales hat.

Der Colditzer Forst ist vorrangig Landeswald des Staatsbetriebes Sachsenforst. Ein geringer Teil ist Privatwald (ca. 2,5%) und Körperschaftswald (ca. 1%). Die örtlichen Landeswaldreviere für den Colditzer Forst sind Colditz und Waldmühle. Der Privat- und Körperschaftswald wird durch die Reviere Muldental - Kohrener Land und Döbeln betreut. Sitz der Reviere ist in Colditz, Lausicker Strasse.

Das geschlossene Waldgebiet ist ein Rest des Miriquidi (aus dem Germanischen: dunkler Wald), eines Urwaldes, der sich von den Höhen des Erzgebirges bis in das nördliche Flachland erstreckte. Mit 2500 ha Waldfläche ist der Colditzer Wald das größte, zusammenhängende Waldgebiet im Südraum Leipzig. Die Längenausdehnung beträgt 7 km. Durch die Mitte des Waldes verläuft in Nord- Südrichtung die Wasserscheide zwischen Mulde und Pleiße. Die nördliche Seite des Forstes ist das Quellgebiet der Parthe.

Eiche, Buche und Erlenholz fand man einst im Colditzer Wald zur Zeit der ersten Forstordnung im Jahr 1543. Der Wald war vorrangig Brennholzlieferant und die angrenzenden Gemeinden hatten das Recht der Streu und Grasnutzung. Bauern durften ihr Vieh im Wald hüten. Der Boden war verödet und verarmt. 1822 bestand der „Wald“ zu 80-90% aus Blösen und lückigen Kulturen, Nutzholz war nicht vorhanden. Ähnlich wie in ganz Deutschland gab es auch hier in unserem Sinne keinen Wald mehr.

Ab 1822 wurde unter Leitung des wohl bedeutendsten Forstmannes Heinrich Cotta („forstlicher Klassiker“) ein Aufforstungsprogramm durchgeführt. Es konnte nach 40 Jahren abgeschlossen werden. Gleichzeitig erhielt der Forst eine räumliche Ordnung („Flächenfachwerk“). Es entstanden Forstabteilungen, welche durch Schneisen (verlaufen von Nord nach Süd) und Flügel (verlaufen von Ost nach West) getrennt sind. Die räumliche Ordnung wird heute noch in ihrer ursprünglichen Form beibehalten und genutzt.

Nach der Umgestaltung bestand der Forst aus 90% Nadelholz darunter 40% Fichte. Dieser Holzbestand trug vor allem dem gewachsenen Bedarf an Bauholz, Grubenholz für den Bergbau und Schleifholz für die Papierindustrie Rechnung. Mit einem Anteil von 98% Nadelholz davon 80% Fichte erreichte diese Art von Waldnutzung 1938 einen gewissen Höhepunkt.

Nach langen Jahren der Monokultur markierte das Jahr 1960 den Beginn zur Umgestaltung des Waldes mit standortgerechten Baumarten. Diese Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Heute dominieren Eichen, Rot- und Hainbuchen, sowie Linden. Nadelholz wird mehr und mehr zurückgedrängt, vor allem ist die Gemeine Kiefer noch anzutreffen.

Kleine Flächen wurden versuchsweise mit Weymouthkiefer, Omorikafichte und Lebensbaum angepflanzt. Geeignete Standorte werden aber auch mit nicht heimischen Baumarten, wie Roteiche und Douglasie aufgeforstet. Die Nutzung noch vorhandener Bestände an Fichte (ca.20% der Fläche) erfolgt als Bau- und Industrieholz. Anfallendes Holz aus Pflegemaßnahmen in Jungbeständen wird vorrangig als Brennholz in Selbstwerbung verkauft. Im Durchschnitt wachsen 8 Festmeter Holz auf dem Hektar Wald pro Jahr nach, geerntet werden im Colditzer Forst 5 Festmeter.

Alle 10 Jahre erfolgt im Staatswald eine Forsteinrichtung. Sie ist ein Führungs- und Planungsinstrument für den Forstbetrieb und beinhaltet die Erfassung des Waldzustandes, die mittelfristige Planung und die damit verbundene Kontrolle der Nachhaltigkeit im Betrieb. Die letzte Einrichtung fand 2003 statt.

Schadereignisse wie Trockenjahre 2003 und Kyrill 2007 setzten dem Fichtenbestand stark zu, der Borkenkäfer tritt verstärkt auf.
Verschiedene Nebenprodukte wurden und werden im Colditzer Forst geerntet. Von 1956 bis 1999 erfolgte jeweils im Frühjahr die Birkensafternte, Weihnachtsbäume werden geschlagen und aus anerkannten Eichen- und Lindenbeständen wird Saatgut gewonnen.

Der gesamte Wald ist Landschaftsschutzgebiet. Im Wald und angrenzend gibt es auch noch gesondert ausgewiesene Bodenschutzgebiete, Wasserschutzgebiete, Naturschutzgebiete und Gebiete mit Kulturschutzfunktionen.

Damwild als Hauptwildart wurde seit 1972 zunächst durch Eingatterung und mit der Zeit durch Auswilderung erfolgreich angesiedelt. Weiterhin gibt es die Schalenwildarten Schwarzwild und Rehwild. Fuchs, Stein- und Baummarder, Dachs aber auch in jüngster Zeit Waschbär und Marderhund kommen im Colditzer Forst vor. Leider geht der Bestand an Hase, Rebhuhn und Fasan stark zurück. Die Begegnung mit Kreuzottern und Ringelnattern ist gut möglich. Insekten und Vogelarten (z. B. Schwarzspecht) sind zahlreich vertreten. Auch Pilzsammler kommen auf ihre Rechnung.
An verschiedenen Stellen sind Naturlehrpfade eingerichtet und Informationstafeln aufgestellt.

Im Waldgebiet gibt es mehrere heimatkundliche Denkmale, die besonders über historische Begebenheiten Zeugnis ablegen (Schneiderstein, Jägerstein, Weißer Stein, Schwarzes Kreuz). Zum Teil werden von Sagen umwobene Geschichten über die Bedeutung der verschiedenen Steine erzählt.

Einen realen Hintergrund hat die Triangulationssäule am Thierbaumer Weg in Ballendorf. Heute sind die historischen Meridianmarkierungen wichtige Zeitzeugen der Geographie- und Vermessungsgeschichte. Interessant ist auch das Gebiet des Altteiches bei Colditz mit. 3,56ha Wasserfläche. In idyllischer Lage, umgeben von Wald, wird der Altteich seit Jahrhunderten als Fischereigewässer genutzt.
In der Nähe der B176 ist von einem Parkplatz aus die Parthenquelle gut zu erreichen. Die Parthe entspringt im „Glastener Revier“ des Colditzer Forstes und mündet nach ca. 100 Höhenmetern in Leipzig in die „Pleiße“.

Das gesamte Waldgebiet ist in letzter Zeit durch Sanierung der Hauptwege gut zu Fuß und per Rad passierbar. An verschiedenen Stellen gibt es Schutzhütten. Insgesamt ist das Waldgebiet für sanften Tourismus und Naherholung gut geeignet. An verschiedenen Stellen sind in der Nähe der Strassen Parkplätze angelegt. An den Wegekreuzungen gibt es Wegeschilder.
An Randzonen des Waldes wurde in früheren Jahrhunderten Kohle und Torf in so genannten Bauerngruben gewonnen. Bei Ballendorf erfolgte auch Kaolinabbau für die Keramikindustrie. In Nord-Südrichtung durchquert eine Rohrleitung, bis 1995 als Hanggraben, das Waldgebiet. Diese Leitung transportiert Brauchwasser aus der Mulde in das Kraftwerk Lippendorf.

Gastronomische Einrichtungen im Bereich des Colditzer Waldes:

  • „Gasthof Waldhaus“ an der B176, Colditz
  • „Zur Kutscherstube“ Thumirnicht, Colditz
  • „Gasthof Ballendorf, Ballendorf

Jugendherbergen:

  • Jugendherberge im Schloss Colditz
  • Jugendherberge Buchheim

Werner Tischer, Unter Verwendung der „Rundblickinformation“ 2, 1973

Kontakt

BINL e.V.
Christian Hagmaier
Buchheim
Untere Dorfstraße 15
04651 Bad Lausick

Büro: (034345) 23581
kontakt@bi-buchheim.de


Dokumente

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pdf Satzung