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18.08.2008 :: Abwasser

Probenentnahmen Großzschepa, Auftrag PROF. SIEGEL & PARTNER GMBH

Sehr geehrter Herr Landrat Dr. Gey,

als Ergebnis der gestrigen Probenentnahmen durch das Labor PROF. SIEGEL & PARTNER GMBH möchten wir unserer Forderung Nachdruck verleihen, für zukünftige Beprobungen der URD – Kompostieranlagen ein anderes Labor zu beauftragen. Aus unserer Sicht wäre es einer allgemeinen Objektivität geschuldet, dass die gestern zwischen Prof. Dr. Siegel und den Vertretern von BfUL aufgetretenen Meinungsverschiedenheiten über die Methodik von Probeentnahmen nicht weiteren Spekulationen Tor und Tür öffnen.

Gedächtnisprotokoll

zur Probeentnahme des Labors PROF. SIEGEL & PARTNER GMBH auf dem Betriebsgelände der URD GmbH in Großzschepa am 12.08.2008, Uhrzeit 10.00h

Teilnehmer:

  • Prof. Dr. Siegel mit Hilfskraft (Student oder Schüler, vorgestellt als „Praktikant“), Grimma
  • Herr Richter, Umweltamt Landkreis Leipzig, Grimma
  • Frau Dr. Dittrich, Staatl. Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft (BfUL), Leipzig
  • Frau Hörig, Staatl. Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft (BfUL), Leipzig
  • Herr Hans-Udo Weiland, Landesvorsitzender BUND Sachsen, Zschepplin
  • Herr Jens Haubner, BUND, ehem. MTL - Kreis, Grimma
  • Herr Christian Hagmaier, Vors. Buchheimer Initiative für Natur- und Landschaftsschutz e.V. (BINL), Buchheim
  • Frau Ute Hagmaier, Vorstandsmitglied BINL, Buchheim

Verlauf der Veranstaltung:

  • Beginn 10.00h, Herr Richter übernimmt die „Moderation“
  • Prof. Dr. Siegel erläutert die Vorgehensweise der Probeentnahme nach AbfKlärV bzw. DüMV
  • H. Weiland schlägt wegen der nur sehr eingeschränkten Aussagekraft der beabsichtigten Probeentnahmemethode (nicht repräsentativ für die jeweilige Kompostmiete) eine Probeentnahme nach LAGA PN 98 vor, die auf die besondere Problematik physikalischer, chemischer und biologischer Untersuchungen im Zusammenhang mit der Verwertung/Beseitigung von Abfällen unbekannter Herkunft und unbekannter heterogener Zusammensetzung abgestellt ist. Auch was die aktuelle Problematik der PFT angeht, wäre diese Methode angezeigt.
  • Prof. Dr. Siegel gibt zu bedenken, dass dann eine Beprobung zunächst nicht durchgeführt werden könnte, da z. B. ein Bagger oder Radlader gebraucht würde. Er halte dieses Vorgehen auch nicht für angebracht, vielmehr präferiert er ein Verfahren nach der Düngemittelverordnung. H. Weiland stellt noch einmal ausdrücklich fest, dass Untersuchungen weder nach der Klärschlammverordnung noch nach der Düngemittelverordnung ausreichen, hinreichend sichere Aussagen zum tatsächlichen Schadstoffgehalt zu erhalten, da die hier deponierten Abfälle weder Klärschlamm noch Dünger im Sinne der jeweiligen Verordnung darstellen. Es liegt vielmehr ein Gemisch unbekannter Stoffe (u.a. Klärschlämme und Eisenbahnschwellen) aus unbekannter Herkunft vor, das mit dazu geeigneten Methoden auf Schadstoffgehalt und Entsorgungsweg (Sondermülldeponie oder Verbrennung) analysiert werden muss. H. Weiland empfiehlt Herrn Richter vom Landratsamt dringend, die Probenahme, wenn überhaupt, dann nach LAGA PN 98 durchzuführen, alles andere sei Verschwendung von Steuergeldern, da die Ergebnisse wegen mangelnder Repräsentativität für die Gesamtabfallmenge ohne relevante Aussagekraft sind.
  • Unter den Teilnehmern wird ein Disput über die Methodik der Probeentnahme geführt. Herr Richter wird von Herrn Weiland gebeten, eine Probenahme nach LAGA PN 98 durchführen zu lassen. Obwohl die Methode der Probenahme im Auftrag des Landratsamtes an Prof. Siegel nicht ausdrücklich festgelegt ist, entscheidet Herr Richter, nach Düngemittelverordnung zu verfahren. (An Prof. Dr. Siegel gewandt: „Wir verfahren wie besprochen!“)
  • Herr Weiland fragt Prof. Dr. Siegel nach der Existenz von bisherigen Rückstellproben. Prof. Dr. Siegel erklärt, es gebe derzeit keine solchen Proben, da der Zeitraum eines halben Jahres abgelaufen sei. Frau Dr. Dittrich erläutert die Verfahrensweise, dass Rückstellproben ca. 2 Jahre aufzubewahren seien. Für organische Stoffe böte sich insbesondere die Gefriertrocknung an.
  • H. Richter weist auf den Umfang des Auftrags des LRA hin und fordert Prof. Dr. Siegel auf, mit der Probeentnahme, wie vorgesehen, zu beginnen.
  • Nach ca. 1 Stunde (11.00h) beginnt Prof. Dr. Siegel mit den Vorbereitungen zur Probeentnahme: Arbeitskleidung anziehen, einige Glasbehältnisse, Arbeitsgeräte bereitstellen usw.
  • Prof. Dr. Siegel und Praktikant beginnen mit dem Anschürfen des ersten Haufwerkes durch Graben von Schlitzen. Eine Probeentnahme findet zunächst nicht statt. Am ersten gegrabenen Schlitz werden u.a. Holzabfälle (Bahnschwellenreste) mit einer Korngröße von ca. 20cm freigelegt. Das vorhandene Bohrwerkzeug reicht für diese Korngröße nicht aus.
  • Es werden 6 Schlitze an fünf verschiedenen Haufwerken gegraben. Zwei weitere Haufwerke in den rückwärtigen Kammern der Deponie bleiben unbeprobt. Die Schlitze können ungeschützt ablüften. Organoleptische Untersuchungen finden nicht statt, sichtbare Schichtungen werden nicht dokumentiert und nicht separat beprobt.
  • Frau Dittrich, Frau Hörig und Prof. Dr. Siegel verständigen sich über die Bereitstellung von Proben für BfUL, um eine zusätzliche Untersuchung zu gewährleisten.
  • Frau Dr. Dittrich und Frau Hörig verlassen um ca. 13.30h aus Termingründen den Beprobungsort, ohne die Zweitproben mitnehmen zu können.
  • Ab ca. 13.30 setzt leichter Nieselregen ein.
  • Auf einem der Haufwerke kommt ein ca. 2,50 m langer Spiralbohrer zum Einsatz. Höhe des Haufwerks: ca. 350 – 400. Es werden an zwei Stellen unter Benutzung von Schutzhandschuhen Bohrungen niedergebracht und Proben entnommen. Bohrungen bis zur Sohle sollen noch an anderer, niedrigerer Stelle vorgenommen werden, da das vorhandene Bohrgerät nicht ausreicht. Eine organoleptische Prüfung findet auch hier nicht statt.
  • Aus unterschiedlichen Höhen werden Proben in einen Eimer gesammelt, je eine Mischprobe aus relativ trocken-krümeligen und stark feuchtem Material hergestellt und damit gegen 14.10 Uhr die erste Probeentnahme abgeschlossen, 3 Stunden nachdem der erste Schlitz gegraben wurde und noch weiterhin ablüften kann. Gleichzeitig werden von Prof. Siegel erste Eintragungen in einem Protokollbuch vorgenommen.
  • Gegen 14.15 beginnt bei stärker werdendem Nieselregen die Bohrung auf einem anderen Haufwerk. Gegen 14. 45 Uhr laufen die Probenahmen noch, um 15.30 Uhr wird niemand mehr auf dem Gelände angetroffen.
  • Um 16.00 Uhr übernimmt Frau Hörig in Grimma die von Herrn Richter mitgebrachten Proben.

Abschließend kann festgestellt werden:

  • Offenbar wegen der Bedeutsamkeit der Untersuchung führte Prof. Dr. Siegel die Probeentnahme ohne fachkundige Unterstützung der Mitarbeiter seines Labors persönlich durch.
  • Unter Fachleuten stößt die Herangehensweise der von Prof. Dr. Siegel vorgenommenen Beprobung auf Bedenken.
  • Nach dem Eindruck von Beteiligten verlief der Ablauf der Beprobung schleppend und uneffektiv. (z.B. unzählige, von Prof. Dr. Siegel am Einsatzfahrzeug geführte Telefongespräche und das vielmalige Heranholen von Arbeitsgeräten und Hilfsmitteln aus dem Einsatzfahrzeug führten zu erheblichen Zeitverzögerungen.)
  • Teilnehmer konnten sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der zeitlich sehr zögerliche Ablauf der Probeentnahme nicht zufällig war.

Christian Hagmaier
Buchheim, den 13.08.2008

Kontakt

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Buchheim
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