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22.11.2007 :: Abwasser

Kein Zurück zu Anschluss an die Kläranlage

Bürgermeister begründet Abwasser-Strategie

Buchheim. Der Bad Lausicker Ortsteil Buchheim wird nicht an die zentrale Kläranlage der Kurstadt angeschlossen. Diese definitive Aussage des Versorgungsverbandes Grimma-Geithain überraschte und überrumpelte die Einwohner jüngst bei einer Bürgerversammlung. Der Bau voll biologischer Kleinkläranlagen benachteilige Grundstückseigentümer massiv gegenüber all jenen, die an das Abwassernetz kämen, so der Tenor dort. Der Ortschaftsrat warf der Stadt vor, sie habe die Buchheimer bei der Entscheidung schlicht übergangen. Die LVZ sprach darüber mit dem Bad Lausicker Bürgermeister Josef Eisenmann.

Frage: Bis zur Jahrtausendwende war klar: Buchheim wird an das zentrale Abwassernetz angeschlossen. Warum die Kehrtwende zu privaten Kleinkläranlagen?

Josef Eisenmann: So ein Abwasserbeseitigungskonzept wird immer wieder auf den gesetzlich erforderlichen aktuellen Stand gebracht. 2000/01 war ein Anschluss von Buchheim, Ballendorf und Etzoldshain an die Bad Lausicker Anlage vorgesehen. Am 9. Januar 2003 fordert der Technische Ausschuss vom Versorgungsverband umfassende Kostenvergleiche. 2006 wurde das Konzept erneut überarbeitet. Der Gesetzgeber traf neue Festlegungen, etwa welcher Siedlungsbereich zu einem verdichteten Raum zu zählen ist. Davon hängt ja die Förderung ab. Für Buchheim erschien nun die dezentrale Entsorgung als praktikable Lösung. Mitte Juli 2006 wurde darüber in der Verbandsversammlung diskutiert.

Der Buchheimer Ortschaftsrat wurde aber nicht um seine Meinung gefragt?

Das trifft nicht zu. Am 21. Juli 2006 wurden die Ortschaftsräte gebeten, eine Stellungnahme abzugeben. Ebersbach und Thierbaum haben sich dazu geäußert. Buchheim äußerte sich nicht. Im September 2006 stand das Thema auf der Tagesordnung des Technischen Ausschusses, ehe der Stadtrat im selben Monat das Konzept so bestätigte. Einspruch von Buchheimer Seite gab es in keiner der Sitzungen.

Die Bad Lausicker Kläranlage wurde so konzipiert, dass sie die Abwässer von Buchheim, Ballendorf und Etzoldshain aufnehmen könnte. Warum nutzt man diese Kapazität nicht?

Die Anlage ist inzwischen auch so komplett ausgelastet. Um weitere Orte anzuschließen, müsste ein zweiter Bauabschnitt folgen.

Für Ärger sorgt das Argument der Gesamtwirtschaftlichkeit. Für den Versorgungsverband mögen private Kleinkläranlagen finanziell sinnvoll sein. Der Private, der sie bauen und betreiben muss, ist benachteiligt. Ist das zu rechtfertigen?

Die Verbandsführung und die Verbandsversammlung muss die gesamte Entwicklung des Verbandsgebietes unter wirtschaftlichen Aspekten für die Gemeinschaft betrachten. Aus Sicht des Verbandes und vieler Einwohner ist die jetzt aktuelle Variante, den ländlichen Raum über Kleinkläranlagen zu entsorgen, die sinnvollste und angestrebte Variante. Dies war meines Erachtens auch die Meinung der BI Wasser/Abwasser. Die Variante hat den Vorteil, dass die Entsorgung im günstigen Fall autark vom Netz des Verbandes zu organisieren wäre. Unbestritten sind die Probleme, die sich aus der Betriebsführung und der finanziellen Belastung ergeben.

Der Verband wälzt die Verantwortung für die Vollbiologie auf die Buchheimer ab. Warum baut und betreibt er nicht selbst mehrere kleinere Anlagen für Buchheim?

Mehrere Anlagen in Buchheim zu bauen, die der Verband betreibt, diese Idee haben wir auch geäußert. Das ist ein Gedanke, der noch nicht ausgegoren ist, der aber im Zusammenhang mit der Problematik in Mutzschen zurzeit diskutiert wird.

Gibt es für Buchheim angesichts des Protests noch ein Zurück zu einer zentralen Abwasserklärung?

Dem stehen die gesetzlichen Grundlagen entgegen.

Wenn die Buchheimer investieren müssen: Ab wann werden die Fördermittel über den Versorgungsverband bereitgestellt?

Da Buchheim erst 2015 zur Umrüstung vorgesehen ist, sollten die Schritte zur Veränderung der Entsorgung auch erst in den Jahren 2012/13 eingeleitet werden. Anders verhält es sich mit Kleinkläranlagen, die schon vorher zu sanieren sind. Andere Ortsteile der Stadt müssen da wesentlich schneller reagieren. Dazu werden in den Ortsteilen im Januar Veranstaltungen gemeinsam mit den Ortschaftsräten und der Verbandsgeschäftsführung stattfinden.

Interview: Ekkehard Schulreich

L V Z vom 17.11.2007

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